Raucher scheinen ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen zu haben. Und tatsächlich lassen sich in ihrer Gehirnflüssigkeit Biomarker für die Alzheimerkrankheit nachweisen.
Epidemiologischen Daten und den Ergebnissen aus Metaanalysen zufolge besteht zwischen dem Zigarettenkonsum und neurodegenerativen Erkrankungen ein Zusammenhang. Starkes Rauchen über 20 Jahre hinweg ist demnach mit einer mehr als hundertprozentigen Risikozunahme für Demenz und die Alzheimerkrankheit assoziiert.
Lässt sich dieser Zusammenhang aber auch anhand von molekularen Biomarkern für Neurodegeneration, Neuroinflammation, Oxidation und Neuroprotektion nachweisen? Dies untersuchte das Team um Dr. Yanlong Liu von der Wenzhou Medical University anhand einer Fall-Kontroll-Studie. Daran nahmen 191 Männer aus China teil, die sich einer operativen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes unterzogen.
Im Rahmen dieses Eingriffs wurde routinemäßig eine Lumbalpunktion durchgeführt und Liquor entnommen. 104 Studienteilnehmer, die nicht rauchten und die in der Vorgeschichte weder einen Substanzgebrauch noch eine Substanzabhängigkeit aufwiesen, bildeten die Nichtrauchergruppe. Die Gruppe der Raucher bestand aus 87 Männern, die mindestens ein Jahr lang mindestens zehn Zigaretten täglich konsumiert hatten. Die Probanden in der Nichtrauchergruppe waren mit durchschnittlichen 29,6 Jahren etwas jünger als die Raucher (34,4 Jahre). Zudem wiesen sie einen höheren Bildungsstand sowie einen etwas niedrigeren Body Mass Index auf.
Bei allen Studienteilnehmern wurden folgende Biomarker im Liquor bestimmt: Betaamyloid 42 (Aβ42), das eine diagnostische Spezifität für Alzheimer aufweist, Tumornekrosefaktor-α (TNF-α), der Wachstumsfaktor Brain-derived Neurotrophic Factor (BDNF), Superoxiddismutase (SOD) und Stickstoffmonoxid-Synthase (NOS).
Mehr Betaamyloid 42 und Entzündungsmarker Tatsächlich konnten die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Tabakgebrauch und den molekularen Biomarkern für Alzheimer nachweisen: Im Liquor der Raucher fanden sich höhere Aβ42-Werte sowie Zeichen für deutlichen oxidativen Stress, Neuroinflammation und eine beeinträchtigte Neuroprotektion.
Quelle: Liu Y et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e2018777; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.18777
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